Silicon Valley. Berlin. Bremen! New Work bei Traum-Ferienwohnungen.

Interview mit Achim Hensen, Organisationsentwickler und Prozessbegleiter bei der Traum-Ferienwohnung GmbH

geführt von Katrin Sulmann

Selbstorganisation, keine formalen Hierarchien oder starre Führungskräfte… das klingt nach einem gewaltigen Vorhaben. Vor einiger Zeit las ich in einem Managermagazin einen spannenden Artikel zu diesem Thema, umgesetzt bei Traum-Ferienwohnungen in Bremen. Dieses Unternehmen verschaffte sich einen Platz in meinem Kopf und Herz. New Work und das nicht im Silicon Valley oder Berlin son-dern bei uns in Norddeutschland!

Und wie der Zufall es wollte, traf ich vor kurzem einen Studienfreund wieder, den ich seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte und der eben genau dort arbeitet. Fantastisch und Grund für ein intensives Gespräch mit einem der Organisationsentwickler von Traum-Ferienwohnungen, an dem ich Sie in Aus-schnitten teilhaben lassen möchte. (das Interview führte Katrin Sulmann)

ecco: Achim, was sind die wesentlichen Merkmale für eure Unternehmensorganisation?

Achim & Adrian Hensen

Achim & Adrian Hensen

Achim Hensen: Zum einem Kundenorientierung: Die Teams sind autonom und ganzheitlich verantwortlich. In die jeweiligen Teams haben wir alle Rollen und Qualitäten gegeben, um ganzheitlich für den Kunden Wert schaffen zu können, mit nur wenigen Schnittstellen und allen benötigten Kompetenzen. Durch unsere de-zentrale Organisation und die Selbstorganisation der Teams ist die Verantwortung also nah am Kunden. Weiterhin sind es Authentizität und Agilität, die für uns cha-rakteristisch sind. Mit Agilität meine ich die Veränderungs- und Reaktionsfähigkeit der Organisation sich neu zu adap-tieren. Die Menschen bei uns können und sollen sich als Ganzes einbringen. Das bringt viel Potenzialentfaltung, aber dazu braucht es auch eine gewisse Bereitschaft mit Konflikten umzugehen. Denn genau dort, in den Konflikten, liegt oft das Gold vergraben.

ecco: Bis auf eure Geschäftsführung habt ihr euch von formalen Hierarchien verabschiedet. Welchen Platz haben Führungskräfte bei euch, die richtig Bock haben, zu führen? Die inspirierend sind und Spaß daran haben, Ihren Mitarbeitenden den Weg zur Entfaltung zu ebnen und sie und das Unternehmen wachsen zu sehen? Finden die einen Platz bei euch?

Achim Hensen: Auch wenn wir auf die starre, dauerhafte Betitelung von Führungskräften mit Personalverantwortung verzichten, haben wir in gewisser Weise viele Führungspersonen. Nur wenn andere folgen, kann ich ja überhaupt wirklich führen und nicht weil ich irgendeinen Streifen auf der Schulter habe. Da gehören Charisma und Vertrauen hinzu. Bei uns gibt es viele Menschen, die diese Führungsrollen übernehmen. Die Rollen wandeln sich aber auch, sozusagen „fluide Führungspersonen“. Diese sind abhängig von der Situation und der sozialen Legitimation.

ecco: Ihr vermittelt euren Mitarbeitern eine „Grundausstattung“ wesentlicher Kompetenzen. Was sind die Inhalte dieser Basisschulungen?

Achim Hensen: Alle Zwei bis Vier Monate bieten wir unseren Mitarbeitenden Schulungen an. Neue Teammitglieder machen also eine Art „Führerschein“. Themen sind: Grundlagen der Entscheidungsfindung, Feedback geben und neh-men, unsere Arbeits- und Organisationssysteme, Kommunikation und den Umgang mit Konflikten. Zudem haben wir ein „Buddy“ System. In den ersten Monaten haben neue Teammitglieder einen Ansprechpartner an ihrer Seite; ein sicherer Ort zum Ankommen.

ecco: Kann ich auch schulen, Verantwortung zu übernehmen?

Achim Hensen: Ja und nein. Es braucht vor allem erstmal den Raum, dass Verantwortung überhaupt übernommen werden kann. Durch unser Schul- und Sozialisierungssystem sind wir leider häufig nicht gut vorbereitet, Verantwor-tung zu übernehmen und selbst Entscheidungen zu treffen. Wir bei Traum-Ferienwohnungen lernen als Gesamtsys-tem, Schritt für Schritt. Wenn es nicht klappt, sprechen wir drüber. Wir retrospektiven viel: Wenn etwas schief geht, fragen wir uns wie wir verhindern können, dass das noch einmal passiert.

ecco: Selbstverantwortung kann auch dazu führen, dass sich Mitarbeiter zu viel aufbürden. Wie geht ihr hiermit um?

Achim Hensen: Wirklich Verantwortung zu übernehmen ist anstrengend. Das merken wir immer wieder. Wir bleiben im Gespräch und probieren füreinander da zu sein! Zudem stellen wir Ansprechpartner und Coaches zur Verfügung.

ecco: Gibt es auch Grenzen, an die ihr stoßt?

Achim Hensen: Ja! Die Sozialisierung habe ich schon angesprochen. Ein weiteres Thema ist, dass wir Ersatz für einige Dinge entwickeln müssen, zum Beispiel für die steile Karriere nach oben. Anerkennung und Weiterentwicklung sind schließlich fundamentale Bedürfnisse. Wir wollen dafür sorgen, dass die eigene Entwicklung wahrgenommen wird, indem wir Erfolgsgeschichten erzählen, Rollen und Verantwortlichkeiten beschreiben. Aber auch da heißt es: immer dran und im Gespräch bleiben.


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